Market Insights: Q4-Ausblick – Restmengen 2027, Fixierung und Budget vor dem Jahreswechsel
Das vierte Quartal beginnt für Energieeinkäufer mit einer Mischung aus hohen Preisen und hoher Unsicherheit. Die Terminmärkte haben ihre Septemberhochs zwar verlassen, notieren aber weiterhin auf einem Niveau, das in vielen Budgets für 2027 nicht vorgesehen war. Gleichzeitig schwanken Gas und Öl mit jeder Nachricht zur Straße von Hormus. Wer vor dem Jahreswechsel noch offene Mengen für 2027 hat, muss in den kommenden Wochen drei Fragen beantworten: Wie viel ist noch offen, wann wird fixiert und mit welchen Preisen plant das Budget?
Die Ausgangslage Ende September
Laut dem Marktbericht der Schweizer Elektrizitätskommission ElCom vom 29. September notierte das deutsche Strom-Frontjahr Cal 27 Base bei 129,3 EUR/MWh, nach 127,6 EUR/MWh in der Vorwoche. Mitte September hatte derselbe Kontrakt laut ElCom noch bei 135,8 EUR/MWh gelegen. Die Korrektur ist also real, aber begrenzt.
In den Nachbarmärkten sieht es ähnlich aus. Das Frontjahr Base lag in Österreich bei 143,6 EUR/MWh, in der Schweiz bei 133,7 EUR/MWh und in Italien bei 150,7 EUR/MWh. Am kurzen Ende ist die Anspannung größer: Das deutsche Frontquartal Q4 2026 notierte bei 167,3 EUR/MWh, der Oktober-Kontrakt bei 170,7 EUR/MWh.
Gas und Öl: Diplomatie bewegt die Preise
Der Gasmarkt hat im September eine Achterbahnfahrt hinter sich. Die Blockade der Straße von Hormus hatte den TTF-Frontmonat in der ersten Monatshälfte auf über 84 EUR/MWh getrieben, den höchsten Stand seit Ende 2022. Hoffnung auf eine diplomatische Lösung drückte den Preis danach deutlich; am 22. September notierte er bei 70,66 EUR/MWh. Laut ElCom lag das TTF-Frontquartal zuletzt bei 73,0 EUR/MWh und damit praktisch unverändert zur Vorwoche.
Wie empfindlich der Markt reagiert, zeigte das letzte Septemberwochenende: Die USA lehnten einen iranischen Vorschlag zur Öffnung der Meerenge ab, Brent stieg am 28. September um 3,71 Prozent auf 108,21 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig rechnet der US-Präsident nach eigenen Angaben mit weiteren Gesprächen. Für Einkäufer heißt das: Eine Einigung kann die Preise rasch senken, ein Scheitern sie ebenso rasch wieder anheben. Beide Richtungen sind derzeit plausibel.
Gasspeicher: der Puffer für den Winter ist dünn
Die deutschen Gasspeicher waren am 26. September zu 57,4 Prozent gefüllt, ein Jahr zuvor waren es 76,5 Prozent. Das Einspeichertempo hat nachgelassen: Zwischen dem 29. August und dem 26. September lag es im Schnitt bei 0,17 Prozentpunkten pro Tag, in der Woche bis zum 26. September nur noch bei 0,12 Prozentpunkten. Die Bundesnetzagentur sieht die Versorgungssicherheit gegenwärtig als gewährleistet an. Für die Preisbildung bedeutet der geringe Puffer aber, dass ein kalter Winter oder weitere Lieferausfälle den Markt stärker treffen würden als in einem gut gefüllten Jahr.
Strom: Wind und CO2 setzen die Akzente
Am Spotmarkt blieb die Lage angespannt. In der Woche ab 21. September lag der deutsche Day-Ahead-Basepreis im Mittel bei 154,2 EUR/MWh. Die Windstromerzeugung sank gegenüber der Vorwoche um 36 Prozent; an einem Dienstagabend führte das bei hoher Residuallast zu einem Preissprung auf rund 650 EUR/MWh. Solche Spitzen treffen vor allem Unternehmen mit hohem Spotanteil oder ausgeprägtem Abendverbrauch.
CO2-Zertifikate (Dezember-Kontrakt) notierten laut ElCom bei 86,2 EUR/t, nach 88,0 EUR/t Mitte September – ein leichter Rückgang. Einen neuen Trend lässt dieser Schritt allein nicht erkennen.
Budget 2027: Energiepreis ist nicht alles
Für das Budget zählt nicht nur der Börsenpreis. In Deutschland sieht der Kabinettsentwurf vom Juli für 2027 einen Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten von 5,53 Milliarden Euro vor, nach 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2026. Ein geringerer Zuschuss kann sich in höheren Netzentgelten niederschlagen. Für die Strompreiskompensation stromintensiver Unternehmen sind dagegen 5 statt bisher 4 Milliarden Euro eingeplant. Welche Entlastung im Einzelfall tatsächlich ankommt, hängt von Verbrauchsprofil, Branche und Antragslage ab und sollte gesondert geprüft werden.
Was das für Ihre Beschaffung bedeutet
Der Markt liefert vor dem Jahreswechsel kein klares Signal, in welche Richtung es geht. Umso wichtiger ist es, Entscheidungen nicht allein vom Preis des Tages abhängig zu machen. Diese Schritte sind in den kommenden Wochen sinnvoll:
- Restmengen 2027 feststellen. Welcher Anteil des Strom- und Gasbedarfs für 2027 ist bereits fixiert, welcher nicht? Das ist die Grundlage jeder weiteren Entscheidung.
- Nicht alles auf Dezember schieben. Wer offene Mengen bis kurz vor Lieferbeginn liegen lässt, trägt das volle Risiko einer Zuspitzung im Winter. Eine Aufteilung in mehrere Tranchen bis Jahresende, ergänzt um vorab definierte Preisgrenzen, verteilt dieses Risiko.
- Beide Szenarien durchrechnen. Planen Sie das Budget 2027 mit dem aktuellen Terminpreis und zusätzlich mit einem deutlich höheren und einem deutlich niedrigeren Wert. So wird sichtbar, welche offene Menge Ihr Unternehmen im ungünstigen Fall verkraften kann.
- Fristen im Liefervertrag prüfen. Fixierungsfenster, Mindestabnahmen, Toleranzbänder und Kündigungstermine entscheiden, welche der Optionen Ihnen überhaupt offenstehen.
- Kurzfristiges Risiko im Blick behalten. Das vierte Quartal ist teurer als das Gesamtjahr 2027. Wer noch Mengen für die verbleibenden Monate 2026 offen hat, sollte prüfen, ob und wie weit sich Verbrauch in günstigere Stunden verlagern lässt.
Keine dieser Maßnahmen garantiert einen bestimmten Preis. Sie sorgen aber dafür, dass die Beschaffung 2027 auf einer bewussten Entscheidung beruht und nicht auf dem Zufall des letzten Handelstags.
Wenn Sie Ihre Restmengen und Ihr Budget für 2027 vor dem Jahreswechsel gemeinsam mit uns durchgehen möchten, sprechen Sie uns an.
Quellen
- Quelle: ElCom – Marktbericht vom 29.09.2026 (September 2026)
- Quelle: ElCom – Marktbericht vom 15.09.2026 (September 2026)
- Quelle: ARIVA/dpa-AFX – Europäischer Gaspreis fällt weiter deutlich (September 2026)
- Quelle: HeizOel24 – Die Ölbullen übernehmen wieder (September 2026)
- Quelle: cleanthinking.de – Gasspeicher-Füllstand aktuell (September 2026)
- Quelle: ms-aktuell – Deutschlands Gasspeicher starten mit niedrigem Stand in den Winter (September 2026)
- Quelle: ZfK – KTF 2027: Weniger Netzzuschuss, mehr Strompreis-Hilfe (Juli 2026)
Börsentrading & Risk Management → Terminmarkt-Positionen laufend überwachen und gezielt absichern.
Strategische Beschaffung & Pools → Strom und Gas in Tranchen oder gebündelt über einen Einkaufspool beschaffen.

